Axpo-Tochter droht mit Lichterlöschen

Luzerner Gemeinden überlegen sich, ob sie ihren Strom weiterhin von der Axpo-Tochter CKW beziehen wollen. Das macht die CKW nervös.

Die grossflächigen Inseraten in der Zentralschweizer Tagespresse zeigen tiefschwarze Nacht, mitten darin hält eine Hand eine kleine Kerze. Dazu die Botschaft: «Wie würde das Leben in den kleinen Luzerner Landgemeinden wohl ohne CKW aussehen?». Wer so werben muss, hat offensichtlich ein Imageproblem.

Der Hintergrund: Die Stromlieferverträge von über 80 Luzerner Gemeinden laufen demnächst aus, die CKW hat alles Interesse, wiederum langfristige Abkommen zu schliessen und damit die Gemeinden über Jahre hinweg an sich zu binden. Doch ein Mini-Bürgerkomitee macht seit Monaten gegen die aus ihrer Sicht unvorteilhaften Stromverträge mobil, kritisiert die massiven Preiserhöhungen und fordert, die Gemeinden sollten die Stromversorgung selbst in die Hand nehmen. So wie das vielerorts in der Schweiz der Fall ist.

Liefern nämlich Gemeinden ihrer Bevölkerung und dem einheimischen Gewerbe selber Strom, ist dieser oftmals besonders günstig, wie verschiedene Beispiele zeigen. Im Kanton Luzern beispielsweise kostet eine Kilowattstunde Strom 38 Prozent mehr als im Einzugsgebiet des  Elektrizitätswerks des Kantons Zürich. An beiden Orten handelt es sich um Strom von der Axpo (der Beobachter berichtete). Zudem haben Gemeinden mit eigenem Energiewerk über die Stromleitungen Zugang zu den Haushalten und bieten schon heute attraktive TV-/Internetdienste an. Oder sie investieren in ein hochleistungsfähiges Glasfasernetz, das sie mit dem Stromnetz kombinieren. Zürich machts vor.

So gesehen hat die Axpo-Tochter CKW allen Grund zur Nervosität: Das Bürgerkomitee, anfänglich nur mit dem Stromnetz der Gemeinde Emmen beschäftigt, lancierte inzwischen eine kantonale Volksinitiative. Mehrere Gemeinden haben ihren Entscheid über die Langfristverträge mit der CKW aufgeschoben, den neuen Vertrag mit dem Stromkonzern hat noch nicht einmal die Hälfte der Luzerner Landgemeinden unterzeichnet.

Das Bürgerkomitee ist der Meinung, in den letzten Jahrzehnten sei das Stromnetz von den Konsumenten längst amortisiert worden, jetzt müsse es an die Gemeinden abgetreten werden. Die CKW ihrerseits bietet den Gemeinden einen Vertrag an, der über weitere 25 Jahre die Stromlieferungen regelt. Mit der Folge, dass die Verteilungsnetze dereinst nach Ablauf der Verträge noch immer in Hand der CKW liegen – obwohl die Konsumenten diese erneut amortisiert haben werden.

Strompreise: Die faulen Tricks der Stromkonzerne

© Beobachter 2009

Ab dem 1. Januar gilt beim Strom der freie Markt. Resultat: Er wird für alle teurer. Dafür sorgen die Konzerne mit allen Mitteln. Denn eigentlich würden sie den Strom lieber ins Ausland verkaufen.

Der freie Strommarkt wird am 1. Januar 2009 mit einer Panne beginnen: Weil der Bundesrat in letzter Minute Massnahmen verfügte, um die happigen Preisaufschläge abzufedern, müssen die rund 900 Stromversorger gegen ihren Willen die Tarife neu berechnen. Erst im Frühling wird klar, wie stark die Preise steigen.

Dass der freie Markt höhere statt tiefere Preise bescheren wird, zeichnete sich bereits im Sommer ab. Über 2500 Personen haben inzwischen ihrem Ärger Luft gemacht und sich bei der neuen Regulationsbehörde Elcom (Elektrizitätskommission) beklagt. Haushalte müssen davon ausgehen, dass ihr Strom 10, 20 oder noch mehr Prozent teurer wird, Firmen klagen teils über Preiserhöhungen von 70 Prozent.

Während Haushalte bis auf weiteres von ihrem bisherigen Monopolanbieter abhängig bleiben, können Grossbezüger mit über 100’000 Kilowattstunden Jahresverbrauch den Lieferanten neu selber wählen. Zumindest theoretisch. In der Praxis funktioniert für viele der Markt nicht. Mehrere Grosskunden berichten dem Beobachter, weshalb sie den Strom wohl oder übel auch künftig vom bisherigen Monopollieferanten beziehen werden: Anfragen für Stromofferten blieben entweder unbeantwortet, oder aber der Preis fiel derart hoch aus, dass ein Vertragsabschluss nicht in Frage kam. «Mondpreise» nennt sich im Jargon ein solch überhöhtes Tarifangebot. Die betroffenen Firmen sprechen von kartellähnlichen Absprachen. Das Energieunternehmen Axpo bestreitet hingegen den Vorwurf: «Die wenigsten Schweizer Stromproduzenten haben genügend Strom, um neue Kunden ausserhalb der traditionellen Stammgebiete beliefern zu können», sagt Pressesprecherin Anahid Rickmann.

Im Ausland ist noch mehr Geld zu holen

Zudem: In mindestens zwei Fällen liessen hochrangige Vertreter von Stromkonzernen während Verhandlungen mit möglichen Kunden sogar unverblümt durchblicken, dass Schweizer Firmen als Kunden künftig gar nicht mehr attraktiv seien. Denn mit jedem Kunden, der hierzulande wegfalle, könne der frei werdende Strom auf dem internationalen Markt verkauft werden – natürlich zu höheren Preisen.

Viele Stromfirmen haben dank dem hochrentablen Stromgeschäft die Investitionen für das Netz weitgehend abschreiben können. Sprich: Die Konsumenten haben über ihre Rechnungen auch den Bau der Leitungen finanziert. Bei der Übergabe der Netze an die Swissgrid haben nun aber die Stromfirmen den Wert der Leitungen neu errechnet. Sie argumentieren, die Akten über den Bau und die Amortisation der Netze seien nicht mehr vorhanden. Folge: Die Leitungen werden ein zweites Mal amortisiert – erneut auf Kosten der Kunden.

Weiterlesen im Beobachter 26/08

(Bild: Jupiterimages)