Aktive Anwälte, «what else»?

Der Konzern weiss sich zu wehren: Nestlé erreichte mit einer superprovisorischen Verfügung, dass Denner seine Kopien der Kaffeekapseln Nespresso vorläufig aus den Regalen räumen musste. Seit Mitte Dezember hat die Discount-Kette der Migros vier verschiedene Sorten angeboten, jede Kapsel für 25 Rappen. Im Nespresso-Shop kostet eine Original-Kapsel fast das Doppelte.

Den Slogan «Denner – was susch» darf der Discounter aufgrund der superprovisorischen Verfügung auch nicht mehr benutzen. Zu nah ist der Ausdruck mit dem Nestlé-Spruch, den George Clooney im TV-Spot haucht: «Nespresso, what else». Denner will sich die Gängelung nicht gefallen lassen und versichert, sich mit allem Mitteln gegen den Entscheid des St. Galler Handelsgerichts wehren.

Andere können sich nicht gegen den Nahrungsmittel-Multi wehren. Sie sind zu klein und haben zu wenig finanzielle Mittel für juristisch wirksamen Beistand. Letztes Jahr beispielsweise zwang Nestlé den lokalen österreichischen Bio-Vertrieb «Nest» in die Knie. Die Anwälte des Weltkonzern warfen dem lokalen Bio-Produkte-Vertreiber vor, der Name weise zu starke Ähnlichkeit mit dem Nahrungsmittel-Multi auf. «Nest» steht für Network for Ecological and Social Trade», der Verein mit seinen regionalen Produkten in vier Filialen musste sich wohl oder übel umtaufen: Er heisst jetzt «Nets».

Ähnlich ging es dem deutschen Ein-Mann-Senfhersteller Thomas Weber. Unter seinem Spitznamen «Tomski» produziert er im niederbayrischen Rottal seit drei Jahren hochwertige, biologische Senfsorten. Die Anwälte von Nestlé liessen nicht auf sich warten. Der Konzern monierte, der Name Tomski sei der Marke Thomy phonetisch zu ähnlich, es bestehe «eine Gefahr», dass «die berühmte Marke Thomy» «verwässert» werde. Der Koch lancierte darauf eine Internetseite, um einen neuen Senf-Namen zu finden. Unter www.senf-ohne-namen.de konnte jedermann seinen Senf dazu geben beziehungsweise einen neuen Namen vorschlagen. Ende Jahr musste er «Tomski» begraben. Wie der Senf künftig heissen wird, ist noch nicht bekannt.

Nespresso: kräftig im Mund, hartnäckig im Abgang

Nespresso-Telefon-Verkäufer sind ha-ha-ha-hartnäckige Zeitgenossen. Und mindestens so mühsam.

cloony

Neulich um fünf vor zwölf, mittags, am Telefon:

Er: Guten Tag, hier ist Xy von Nespresso. Spreche ich mit Herrn sowieso?
Ich: Ja

Er: Gut, ich rufe an, um Ihnen die Angebote von Nespresso zu erläutern.
Ich: Danke, das ist nicht nötig. Wir kennen ihr Angebot und brauchen nichts.

Er: Ihre Frau ist aber Kundin von Nespresso, kann ich sie kurz sprechen?
Ich: Schauen Sie, meine Partnerin kommt schon wieder zu Ihnen, wenn sie Nachschub braucht. Das habe ich vorgestern bereits Ihrer Kollegin erklärt, als sie anrief. Es ist nicht nötig, dass Sie alle paar Tage anrufen und mir etwas verkaufen wollen.

Er: Also das hier ist kein Werbeanruf…
Ich: … ach ja, was ist es denn?

Er: Ich will Ihnen nur ein Angebot machen, falls Ihre Kaffeemaschine einmal repariert werden müsste.
Ich: (leicht genervt) Das nenne ich Werbeanruf. Wir haben aber keine Kaffeemaschine von Nespresso und benötigen nichts.

Er: Ach ja, Sie haben keine Nespresso-Maschine? Weshalb kauft Ihre Frau dann unsere Kapseln?
Ich: (ziemlich genervt). Eigentlich brauche ich mich nicht zu rechtfertigen. Aber meine Partnerin kauft Nespresso-Kapseln, damit sie im Büro Kaffee trinken kann. Thats it. Wir brauchen nichts von Ihnen. Bitte notieren Sie dies in Ihrer Datenbank.

Er: Gut, dann kontrollieren wir doch Ihre Angaben in unserer Datenbank. Stimmt diese Adresse noch?
Ich: (sehr genervt) Habe ich mich bei Ihnen gemeldet, um die Adresse zu ändern?

Er: Nein.
Ich: Also, dann hat sich auch nichts geändert!

Er: Telefonnummer stimmt also auch noch.
Ich: Hören Sie, ich beende jetzt dieses Gespräch und ich möchte von Ihnen nicht mehr angerufen werden.

Er: Das ist wirklich kein Werbeanruf.
Ich: nein, nein, überhaupt nicht. Auf wiederhören.

–Ende–

(Bild: Nespresso.com)