Wer überflüssigen Atomstrom kauft, erhält Geld

© Beobachter 2010/Otto Hostettler

Strom beziehen und dafür Geld bekommen? Auf dem Energiemarkt ist alles möglich. Die Stromkonzerne kommt es billiger, Kohle- und Atommeiler trotz Überangebot weiterlaufen zu lassen und den Strom zu verschenken, statt die Werke zu drosseln.

Energiekonzerne erhielten über Weihnachten nicht nur Strom geschenkt, sondern bekamen auch noch Geld, wenn sie Strom «kauften». Der Grund: Winterliche Tiefdruckgebiete bescherten norddeutschen Windkraftwerken viel Strom – bei schwacher Nachfrage, denn Industrie und Gewerbe ruhten. Für Betreiber von europäischen Kohle- und Atomkraftwerken war es aber billiger, die Kraftwerke weiterlaufen zu lassen als zu drosseln – das Stromangebot wuchs.

Am 26. Dezember wars ganz verrückt: An der europäischen Strombörse in Leipzig kostete die Megawattstunde minus 200 Franken. Sprich: Pro Kilowattstunde, die ein Stromhändler bezog, erhielt er 20 Rappen (siehe EEX & Swissix Preise).

Den vollständigen Artikel lesen Sie im Beobachter 2/2010

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Nach den Zürchern nun die Genfer

Nach den Zürchern wollen jetzt auch die Genfer auf den Jurahöhen Windstrom produzieren. Der halbstaatliche bernische Energiekonzern BKW hingegen orientiert sich am Geschäft, deshalb investiert er in Italien.

April_08Eben erst kündigte das Stadtzürcher Elektrizitätswerk ewz an, im Neueburger- und Waadtländer Jura für 250 Millionen Franken 40 Windräder aufzustellen und damit Strom für rund 14’000 Haushalte zu produzieren.

Jetzt wollen auch die Genfer das Potenzial der Windenergie im Jura nutzen: Die Industriebetriebe SIG und die Tessiner Reninvest SA wollen in den nächsten sechs Jahren für 300 Millionen Franken sieben Windparks mit total 70 Windturbinen bauen. Damit wird Strom für rund 70’000 Haushalte produziert.

Genf und Zürich investieren damit über eine halbe Milliarde Franken in die Windenergie auf den Jurahöhen. Die 70 Windturbinen der Genfer werden in der Nachbarschaft des Windparks der BKW-Tochter Juvent SA zu stehen kommen. Gegen die Pläne aus Zürich und Genf ist die bestehende Vorzeigeanlage der BKW bescheiden. Auf dem Mont Crosin stehen gerademal acht Windräder, die Strommenge entspricht dem Verbrauch von etwa 3000 Haushalten.

Immerhin: die BKW-Anlage auf dem Mont Crosin ist ein Lehrstück. Sie zeigt, wie sich die Technik in den letzten Jahren verbessert hat: Eine Windturbine der neusten Generation verfügt über die dreifache Leistung wie die 1996 aufgestellten ersten Anlagen.

Nicht dass der halbstaatliche bernische Energiekonzern BKW in Sachen Windenergie untätig bleiben würde. Aber der Konzern engagiert sich lieber ausserhalb des Kantons – oder noch lieber: im Ausland. Oberhalb des Genfersees will er dereinst 5 (in Worten: f-ü-n-f) Windturbinen aufstellen. Nicht gerade ein Projekt von berauschender Dimension.

Dafür nimmt der Energiekonzern, der mehrheitlich dem Kanton Bern gehört, Geld in die Hand, um sich im Ausland zu engagieren. In Italien beteiligt er sich mit einem Betrag in unbekannter Höhe zu 33-Prozent an einer neuen Tochtergesellschaft des Windanlagenbauers Fortore. So wird die neuste Investition in Italien dem Kanton Bern zwar keinen Strom ins Netz speisen, dafür aber dereinst vermutlich gutes Geld in die Kasse der BKW spühlen. Windkraftanlagen bauen andere. Die Zürcher oder die Genfer Stadtwerke zum Beispiel. Die BKW will lieber ein neues AKW.

(Bild: Juvent SA)

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