Ein Staubsauger namens Facebook

Die benutzerorientierte Werbung erreicht neue Qualitäten: Offensichtlich wertet Facebook auch aus, was Nutzer sonst noch so auf dem Computer schreiben.

FB-InseratNeulich im Eigenversuch festgestellt: Auf der Verkaufsplattform Ricardo suchte ich nach Snowboards. Kurze Zeit später ein Klick zu Facebook. Und siehe da: Am rechten Rand erscheint die bezahlte Werbung der Auktionsplattform. Solche benutzerdefinierte Werbung kennt man auch von Google. Wer über sein Gmail-Konto jemandem beispielsweise eine Nachricht schreibt und über die Euro-Krise in Griechenland schreibt, wundert sich längst nicht mehr über die Hotel-Annoncen.

Der neuste Eigenversuch war nicht geplant: Ich schreibe an einem Text im Programm von Open Office, der Inhalt dreht sich um den Begriff Stammbaum. Minuten später ein Klick auf Facebook. Und siehe da: Am rechten Rand erscheint bezahlte Werbung von einem kommerziellen Anbieter genealogischer Dienstleistungen. Dazu der Text: «Erstelle kostenlos deinen Stammbaum und erfahre mehr über deine Familiengeschichte:»

Die Frage drängt sich auf: Ist das nur Zufall? Was weiss Facebook eigentlich von mir? Was wertet Facebook aus? Wie funktioniert dieser Staubsauger?

Haben auch Sie solche Zusammenhänge beobachtet? Meldung bitte an: otto.hostettler@beobachter.ch

Facebook: Woah! Ich kann nicht glauben…

Running Gag: Wer glaubt, mit einer App zu sehen, wer sein Facebook-Profil besucht hat, liegt falsch. Viel wahrscheinlicher ist, dass er oder sie gerade einem Spammer seine E-Mail-Adresse weitergegeben hat.

facebookDie Meldung ist wie ein Komet. Alle paar Wochen kommt sie wieder. Weil immer wieder jemand schnell schnell drauf clickt. Jetzt ist Corinne, meine Schulkollegin aus Urzeiten, hereinhefallen. Sie kann sich trösten, sie ist nicht alleine. Hätten sie alle die Meldung richtig gelesen, wären sie skeptisch geworden. Denn es beginnt schon in holprigem Deutsch: «Woah! ich kann nicht glauben kann man schon sehen, wer Dein Profil gesehen.» Oder: «Ich kann sehen, dass ich nur ganz wenige Besucher haben.»

Manchmal heissen diese Meldungen auch “Wer hat Dein Profil besucht” oder “Top-Besucher”. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie funktionieren nicht, sondern haben einen ganz anderen Sinn. Denn anders als bei Xing oder StudiVZ gibt es bei Facebook keine Funktion, die zeigt, wieviele (oder welche) Besucher auf dem eigenen Profil waren. Viele Nutzer wissen das eigentlich und clicken trotzdem auf die App, aus reiner Neugier. Doch was die meisten Nutzer nicht wissen: Mit einem click postet man diesen Link an die Pinwand seiner Freunde – und schickt dem Programm-Betreiber gleichzeitig Informationen zu seiner eigenen E-Mail-Adresse. Denn hinter solchen Progrämmchen stecken meist dubiose Händler von E-Mail-Adressen. Denn Facebook ist auch ein Paradies für Spamer und Adresshändler. Weil es an neugierigen Facebook-Nutzern nicht mangelt, wird die Fake-App immer weitergereicht. Auch wenn alle wissen, dass sie nicht hält, was sie verspricht.

 

Spuren im Netz: Verhängnisvoll ist, was wir vergessen haben

Ein spannendes Experiment: Was findet man über eine x-beliebige Person heraus, nur aufgrund von allgemein zugänglichen Daten im Internet? Also beispielsweise in den zahlreichen sozialen Netzwerken? Mein Beobachter-Kollegen Thomas Angeli und ich haben uns im weltweiten Datenmeer drei Personen herausgefischt und diese – mit ihrem Einverständnis – analysiert. Mit gängigen Recherchemethoden und gratis erhältlichen Auswertungstools. Unter den Zielpersonen war eine Bernerin, die seit Jahren anonym einen Blog betreibt, ein IT-Projektleiter und ein Online-Redaktor.

Diese Recherche führte zu drei Erkenntnissen:

  1. Wer glaubt, sich anonym im Netz bewegen zu können, irrt.
  2. Wer sein privates Leben für sich behalten will und trotzdem soziale Plattformen nutzt, muss sich sehr, sehr, sehr grosse Mühe geben. Und noch so gibt man mehr preis als man denkt.
  3. Verhängnisvoll werden jene Veröffentlichungen, von denen wir vergessen haben, dass es sie gibt.

Solche Sachen haben wir über die Versuchspersonen herausgefunden:

  • wo sie in den letzten Jahren gewohnt haben
  • mit wem sie in den letzten Jahren gewohnt haben
  • wann sie wo (mit wem) Ferien gemacht haben
  • wie sie leben
  • was sie essen
  • was sie trinken
  • was sie lesen
  • auf welchem Sofa sie sitzen
  • wie ihre Katzen heissen
  • welche Musik sie hören
  • welche Turnschuhe sie gerne kaufen möchten
  • was für ein Handy sie besitzen
  • etc, etc, etc.

Die anonyme Bloggerin, die wir aufgrund der Fülle an Details zusätzlich anonymisieren mussten, meinte am Schluss des Experiments: «Jetzt werde ich endgültig paranoid.»

Den ganzen Beobachter-Artikel findet sich hier: «Die Datenjäger jagen auch Sie»

Facebook: Mein Freund, der Drogenboss

Facebook möchte gern, dass ein mutmasslicher kolumbianischer Drogenboss mein Freund wird.

Übernimmt eine Maschine das menschliche Denken, ist Vorsicht angebracht. Facebook ist eine solche Maschine. Sie filtert meine Interessen und destilliert aus der Werbeflut gewissermassen auf mich zugeschnittene Privatwerbung. Facebook weiss aber auch, dass ich mit Personen befreundet bin, deren Freunde wiederum entweder ähnliche Interessen haben und folglich zu meinen Freunden gehören sollten.

Also schlägt mir Facebook immer mal wieder vor, wen ich auch noch als Freund aufnehmen könnte. Manchmal kennt man diese Fast-Freunde, manchmal auch nicht. Manchmal weiss man, dass es diese Personen gibt, weil sie Bekannte von Bekannten von Bekannten sind. Und trotzdem klickt man sie nicht zum eigenen Freundeskreis hinzu.

Neulich schlug mir Facebook einen in Übersee wohnhaften Herrn als neuen Freund vor: Kein Chorknabe, sondern offensichtlich ein einflussreicher Drogenboss, der von seinen Untergebenen «Dottore» genannt wird. «Dottore» ist nachweislich verantwortlich, zwischen 2004 und 2008 von Kolumbien aus mindestens 650 Kilogramm Kokain in die Schweiz spediert zu haben. Im Karton-Zwischenboden von Bananenschachteln kamen die Päcklein via Schiff nach Europa und wurden mit dem Lastwagen in die Schweiz gefahren. Zwei seiner Untergebenen, inzwischen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, packten den Stoff aus den Bananenschachteln um und lieferten ihn in Waschmittelschachteln in grössere Schweizer Städte – wo er auf der Gasse verkauft wurde.

Und wie kommt es, dass Facebook mir ausgerechnet «Dottore» als Freund präsentiert? In einer grösseren Recherche über die Handelswege von Kokain führte mich zwei mal auf die Facebook-Seite des besagten Herrn. Das reichte, damit mir das soziale Netzwerk mitteilt, mein Interesse an diesem Herrn sei derart gross sei, dass er doch mein Freund werden sollte.

Da kommt mir natürlich unweigerlich meine Facebook-Freundschaft mit Shawne Fielding in den Sinn. Dank Facebook haben wir uns nie getrennt. Bis heute kann ich an ihrem aufregenden Leben teilhaben.

Erfahrungen der anderen Sorte machte eine Nutzerin, die von Facebook verlangte, verleumderische Einträge zu entfernen. Mit einem Trick wollte Facebook erwirken, dass sie den Gerichtsstand USA akzeptiert, womit sich ihre Forderung wohl von selbst erledigt hätte. Stattdessen wies nun ein Basler Richter den US-Konzern in einer einstweiligen Verfügung an, die Einträge zu löschen.

Richter trotzt Facebook

Wer im sozialen Netzwerk Facebook verleumdet wird, kann sich wehren. Erstmals wies ein Schweizer Gericht den US-Konzern an, er müsse den Eintrag eines Facebook-Mitglieds sperren, weil dieser die Persönlichkeitsrechte einer Schweizerin verletzt hat.

Konkret wehrte sich eine Frau gegen einen Nutzer, der sie mit Bild- und Texteinträgen auf dem sozialen Netzwerk diffamierte. Der Basler Medienanwalt Jascha Schneider verlangte darauf im Namen der Frau von Facebook, den Eintrag zu löschen. Zu Gute kam ihr, dass sie selbst nicht bei Facebook angemeldet ist.
Der US-Konzern stellte sich auf den Standpunkt, wer eine Reklamation anbringen wolle, müsse zuerst Mitglied werden. Doch dazu muss man die Geschäftsbedingungen von Facebook akzeptieren – und sich so einverstanden erklären, allfällige Streitigkeiten vor einem kalifornischen Gericht auszufechten. Mit diesem Trick erreichte Facebook, dass es für Internetbenutzer aus anderen Ländern – also auch aus der Schweiz – so gut wie aussichtslos ist, sich gegen die Firma zu wehren.
Das Zivilgericht Basel-Stadt wies den US-Konzern nun an, den ehrverletzenden Eintrag über die Frau zu löschen. Medienanwalt Schneider spricht von einem Präzedenzfall. Er zeige, wie sich ein Normalbürger gegen den Giganten Facebook wehren könne: «Internetbenutzer sind Facebook nicht einfach machtlos ausgesetzt.»

Allerdings bringt der Basler Entscheid für all jene, die bereits bei Facebook mitmachen, keine Vorteile bei juristischen Auseinandersetzungen. Sie haben die Nutzungsbedingungen der Plattform akzeptiert, womit für sie eben doch amerikanische Gerichte zuständig wären.

Facebook: WOW, jetzt kannst Du sehen, wer gwundrig und naiv ist

Facebook hat praktische Funktionen. Aber es gibt – wie im realen Leben – auch Überflüssiges, Lästiges. Spam zum Beispiel. Auf den Wurm «Wow, jetzt kannst Du sehen, wer sich dein Profil anschaut» fallen besonders viele herein. Aus Gwunder und Naivität.

Die Meldung kam dutzendfach herein: XY möchte Dich zur Veranstaltung «Wow Jetzt kannst Du sehen, wer Dein Profil ansieht» eingeladen. Gwundrig, wie Mensch halt ist, klicken viele Facebook-Nutzer den Link an. Sie denken, ein «Freund» teile ihnen etwas interessantes mit. Was sie aber nicht wissen: Damit werden sie auf eine externe Seite geladen, die über einen Java-Script eine Kettenreaktion auslöst. Den Link mit der spannenden Bezeichnung wird an alle seine Freunde weiter gesendet. Auf Deutsch: Spam, getarnt als Veranstaltungseinladung.

Wer das tut, outet sich unfreiwillig gleich noch selber und verbreitet mit einem geposteten Link, wer angeblich am häufigsten auf das eigene Profil zugegriffen habe. Dabei präsentiert der Wurm eine Rangliste mit jenen «Freunden», die am häufigsten das Profil besucht haben sollen. Doch offensichtliche Phantasiezahlen, sie sind bei unterschiedlichen Nutzern, die in die Falle getappt sind, sogar identisch.

Damit nicht genug: Der Wurm gräbt sich in das Profil des Nutzers ein. Er versendet – ohne Wissen der User – Chat-Nachrichten an Freunde, die gerade online sind. Mit der gleichen perfiden Empfehlung.

Facebook führt Nutzer an der Nase herum

Mit immer wieder neuen Änderungen gaukelt Facebook seinen Nutzern falsche Tatsachen vor. Viele erfahren gar nie, was ihre «Freunde» der Welt mitteilen.

Immer wieder neue Tools, Features oder Möglichkeiten schaltet Facebook auf seiner Plattform auf. Über viele dieser Neuerungen informiert der Konzern nur oberflächlich, unverständlich oder gar nicht. Das eine oder andere spricht sich dann im Netz umher, anderes bleibt unerkannt.

Beispiel eins: Die meisten Nutzer erfahren über viele ihrer Freunde nie etwas. Nicht etwa, weil diese nie etwas über sich in Facebook veröffentlichen würden. Sondern weil Facebook von sich aus entscheidet, welche Posts auf der Oberfläche eines Nutzers erscheinen soll. Priorität haben nämlich Posts von jenen «Freunden», mit welchen man in regelmässiger Interaktion steht. Sprich: Wer anderen ab und an einen Kommentar hinterlässt, erfährt auch von dessen Veröffentlichungen.

Statusmeldungen von Freunden, bei welchen man sich aber nie meldet, tauchen hingegen nie auf. Auch wenn man im realen Leben in noch so engem Kontakt steht. Facebook leitet aus dem Verhalten der Nutzer ab, wer angeblich ein tatsächlicher Freund ist und wer nicht.

Zurückzuführen ist diese Eigenartigkeit auf eine schon vor Monaten stillschweigend eingeführte Neuerung in den Standardeinstellungen zu «Neuste Meldungen / Hauptmeldungen». Wer die Meldungen von allen seinen «Freunden» lesen will – egal ob er mit ihnen über Facebook palavert – muss Folgendes ändern: Auf der Facebook-Seite bei der Bezeichnung «Neuste Meldungen» rechts davon das schwarze Dreickeck anwählen und Menü herunterklappen. –> «Optionen bearbeiten» auswählen, «Neuigkeiten-Einstellungen» ändern in «Alle deine Freunde und Seiten». Die Facebook-Standard-Einstellung lautet: «Freunde und Seiten, mit welchen du am häufigsten interagierst».

Beispiel zwei: Facebook hat kürzlich damit begonnen, die Profilbilder der Benutzer in Werbebotschaften einzubetten. So kommt es, dass auf der Facebook-Seite Ihrer «Freunde» plötzlich für ein Produkt geworben wird – mit Ihrem Bild dazu. Quasi als persönliche Empfehlung. Wer sein Bild nicht für die Werbung frei geben will, muss dies manuell ändern: Konto –> Kontoeinstellungen –> oben rechts Werbeanzeigen auf «niemand» stellen.

Ich werde Shawne Fielding nicht los

Shawne Fielding hängt an mir – ich habe gar keine andere Wahl: Ich muss ihr Freund bleiben.

Das kam so: Als ich das soziale Netzwerk Facebook zu erkunden begann, wollte ich auch Spass haben. Ein Arbeitskollege empfahl mir, Shawne Fielding als Freundin zu kontaktieren, das sei vielversprechend. Der Spass war tatsächlich garantiert. Mehrmals täglich erhielt ich ihre Statusmeldungen, erfuhr, dass sie im Flughafen darauf wartete, endlich ins Flugzeug nach New York steigen zu können. Sie teilte mir mit, dass sie gelandet sei, sie stellte ein Video online, auf dem sie im Cabrio durch Manhattan fuhr und aus dem Auto filmend knackige Velofahrer anflirtete. Sie zeigte auch, wie sie mit ihrem Golflehrer das Einlochen übte.

Das ging Tag für Tag so weiter, bis sie wieder zu Hause war und im Bademantel, das Cüpli in der Hand, durch die Wohnung schwebte und dazu in die Kamera hauchte: «Das Leben ist wunderbar.»

Shawne wurde mir plötzlich zu viel. So genau wollte ich gar nicht über ihr Leben Bescheid wissen. Ich machte, was in der Facebook-Szene verpönt ist: Ich kündigte ihr meine Freundschaft. Die Funktion heisst «Verbindung entfernen» (und war fast nicht zu finden). Das Gute an dieser Funktion: Shawne merkte nicht, dass ich ihr die Freundschaft gekündigt hatte – ausser sie hätte ihre Freundesliste aufgerufen, meinen Namen ins Suchfeld gegeben und festgestellt: «Mist, der Otto ist nicht mehr mein Freund.» Aber ich gehe davon aus, dass sie dazu keinen Anlass hatte.

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Item, Shawne ging vergessen, wir lebten uns auseinander. Monate später, ich las in Klatschspalten über ihre innerehelichen Probleme, löschte sie ihr eigenes Facebook-Profil. Sie zog sich damals aus dem öffentlichen Leben zurück. Doch lange hielt die einstige Miss Texas, die als Botschaftergattin in Berlin ganz in Weiss durch die Schweizer Vertretung ritt, das nicht aus. Eines schönen Abends, ich war gwundrig, wie mein Uralt-Kollege Tschanz mit seinem Vater auf dem Töff durch die USA tourte und via Facebook Bilder nach Hause schickte, erhielt ich eine «Freundschaftsanfrage» eingeblendet. Von Shawne Fielding!

Damit das klar ist: Shawne und ich haben nie ein Wort miteinander gewechselt, nie eine E-Mail-Nachricht ausgetauscht, nie eine SMS geschrieben. Hat sie tatsächlich, kaum hatte sie sich wieder ein Facebook-Profil angelegt, meinen Namen in die Suchmaske getippt, um mich als verlorengegangenen Freund wieder zu sich zu nehmen? Wohl kaum. Oder hatte sie irgendwo sämtliche früheren Angaben gespeichert und liess sich diese alle wieder herstellen? Eher unwahrscheinlich. Es muss so gelaufen sein: Shawne Fielding hat die Facebook-Funktion «automatischer Freundefinder» aktiviert. Damit liess sie in den Tiefen der Facebook-Server alle jemals gespeicherten Daten durchforsten und kramte dabei auch meine Angaben wieder hervor.

Ich habe die Freundschaftsanfrage von Shawne abgelehnt, «ignoriert» heisst das in der Facebook-Sprache. Das war vor ein paar Wochen. Jetzt die Ernüchterung: Einer Arbeitskollegin will ich das narzisstische Profil von Shawne Fielding zeigen – und entdecke mich als ihr Freund. Einer von 4938. Aber mit Bild auf ihrer Startseite.

Ich bin gespannt, welche Freundschaft mir Facebook als Nächstes aufdrängt. Vielleicht wird man mir aber auch gleich den Entscheid abnehmen und per Statusmeldung mitteilen: «Du bist jetzt mit Françine Jordi befreundet.» Oder Facebook könnte eine neue Funktion kreieren: «Michelle Hunziker möchte um deine Hand anhalten.» Klick, und schon ist man verheiratet.

Abteilung dumm gelaufen: Weihnachten auf Ricardo.ch

Die Frau hat Humor: Weil sie abends immer mal wieder auf der Online-Versteigerungsplattform Ricardo.ch vorbeischaut und gelegentlich etwas kauft oder verkauft, erlaubte sie sich einen Spass. Sie platzierte ein Angebot bei der Versteigerung Nr. 608431772. Unter dieser Nummer bot Arosa Tourismus die gesamte Weihnachtsbeleuchtung des Winterkurorts an. Mit dabei: Zehn sechs Meter lange Sternen-Deko-Elemente aus Aluminium, vier davon in den Farben blau, weiss, gelb, sechs in den Faben weiss, gelb.

Das Mindestangebot lag bei einem Franken, der «Sofortpreis» betrug Fr. 10’000.- Also keine Gefahr, auf der Beleuchtung sitzen zu bleiben. Dachte sie sich. Die Ricardo-Bieterin «moebeltrend» richtete auch gleich einen Bieter-Automatismus ein. Das heisst: wer auch immer ein Angebot abgab, wurde bis zu einem Preis von 301 Franken von ihr überboten.

Es kam, wie es kommen musste: Bei 301 Franken stiegen die Mitbieter aus. Damit ersteigerte «moebeltrend» die gesamte Weihnachtsbeleuchtung gleich selber. Dann die grosse Ernüchterung, denn eigentlich wollte sie diese Deko für die winterliche Strassenverschönerung gar nicht kaufen. Sie postet die Neuigkeit auf ihrer Facebook-Pinnwand – und erntet Häme. Selbstkritisch kommentiert sie: «bi es … Poulet. Cheibe Züggs, wo häre dermit?»

Inzwischen schrieb sie Tourismus Arosa, und teilte mit, sie wäre bereit, auf die Beleuchtung zu verzichten. Sie würde natürlich auch die 302 Franken bezahlen. Denn die goldene Ricardo-Regel heisst: gekauft ist gekauft. Jetzt überlegt sie sich, ob sie Arosas blau-weiss-gelbe Weihnachtssterne nicht einer kleinen Gemeinde schenken könnte.