Im Schneckentempo zum Breitbandnetz

© Beobachter 2009/Otto Hostettler

Die Swisscom trödelt beim Bau ihres Glasfasernetzes. Dabei graben ihr Städte und Gemeinden das Wasser ab: Sie bauen eigene Netze – und ersparen den Bürgern hohe Swisscom-Rechnungen.

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«Die Swisscom baut das Netz der Zukunft» der markige Spruch aus der Eigenwerbung klingt gut, beschönigt aber die Realität. Denn die Swisscom hat eben erst damit begonnen, Privatliegenschaften an das ultraschnelle Glasfasernetz anzuschliessen. Kleinlaut muss Swisscom-Sprecher Olaf Schulze zugeben: «Wir dürfen uns keine Illusionen machen, es wird noch Jahre dauern, bis nur schon in den Städten alle Kunden einen Glasfaseranschluss haben werden.» Hochauflösendes Fernsehen, schnelleres Internet, Videofilme zum schnellen Herunterladen bleiben für die meisten Privathaushalte bis auf weiteres ein Wunschtraum.

Für die Swisscom ist das gemächliche Tempo nicht weiter schlimm: «Es gibt heute noch keine Anwendung, die eine solche Bandbreite benötigt.» Doch die Entwicklung der letzten Jahre zeigt eindrücklich: Neue Anwendungen befördern immer grössere Datenmengen durchs Netz, die Internetzugänge werden immer leistungsfähiger. Die Folge davon: Die Datenraten im Internet, also die Geschwindigkeit, verdoppeln sich etwa alle 20 Monate. Erste hochauflösende TV-Programme sind bereits verfügbar. Dass die Schweiz zügig ein Glasfasernetz aufbauen sollte, ist unbestritten.

Doch der Swisscom drängt die Zeit nicht. Das herkömmliche Kupferkabel ist für den nationalen Kommunikationskonzern eine sichere Einnahmequelle. Benutzer bezahlen Monat für Monat eine Grundgebühr fürs Telefon, zusätzlich die Gesprächstarife – und dazu erst noch ein Abonnement für den Internetzugang.

«Die Swisscom hat den Bau des Glasfasernetzes zu den Endkunden verschlafen», sagt Harry Graf, Sprecher des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich, das in Zürich ein eigenes Datennetz baut. In dünner besiedelten Gebieten ist der Ausbau für die Swisscom wenig lukrativ, das Glasfasernetz liegt für viele Liegenschaften unerreichbar fern.

Mehrere Städte haben inzwischen ihre Gemeindewerke oder Energieunternehmen beauftragt, eigene Leitungsnetze zu bauen. Seit das Zürcher Stimmvolk vor zwei Jahren 200 Millionen Franken für den Aufbau eines solchen bewilligt hatte, schlagen laufend weitere Kommunen diesen Weg ein. Darunter Basel, Bern, Genf, St. Gallen und Winterthur, aber auch regionale Zentren wie Burgdorf, Langenthal oder Meilen.

Doch nicht alle Gemeinden besitzen eigene Kabelnetze oder ein Energienetz. Im Kanton Luzern beispielsweise liefert die Axpo-Tochter CKW in fast allen 88 Gemeinden den Strom direkt bis in die Häuser. In Emmen zeigt nun ein Bürgerkomitee auf, dass eine Gemeinde trotzdem ein eigenes Datennetz aufbauen könnte. Eine geradezu ideale Gelegenheit bieten die langfristigen Stromlieferverträge, die zurzeit mit den CKW neu ausgehandelt werden.

Weiterlesen im Beobachter 14/2009

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(Bild: Swisscom)

Nach den Zürchern nun die Genfer

Nach den Zürchern wollen jetzt auch die Genfer auf den Jurahöhen Windstrom produzieren. Der halbstaatliche bernische Energiekonzern BKW hingegen orientiert sich am Geschäft, deshalb investiert er in Italien.

April_08Eben erst kündigte das Stadtzürcher Elektrizitätswerk ewz an, im Neueburger- und Waadtländer Jura für 250 Millionen Franken 40 Windräder aufzustellen und damit Strom für rund 14’000 Haushalte zu produzieren.

Jetzt wollen auch die Genfer das Potenzial der Windenergie im Jura nutzen: Die Industriebetriebe SIG und die Tessiner Reninvest SA wollen in den nächsten sechs Jahren für 300 Millionen Franken sieben Windparks mit total 70 Windturbinen bauen. Damit wird Strom für rund 70’000 Haushalte produziert.

Genf und Zürich investieren damit über eine halbe Milliarde Franken in die Windenergie auf den Jurahöhen. Die 70 Windturbinen der Genfer werden in der Nachbarschaft des Windparks der BKW-Tochter Juvent SA zu stehen kommen. Gegen die Pläne aus Zürich und Genf ist die bestehende Vorzeigeanlage der BKW bescheiden. Auf dem Mont Crosin stehen gerademal acht Windräder, die Strommenge entspricht dem Verbrauch von etwa 3000 Haushalten.

Immerhin: die BKW-Anlage auf dem Mont Crosin ist ein Lehrstück. Sie zeigt, wie sich die Technik in den letzten Jahren verbessert hat: Eine Windturbine der neusten Generation verfügt über die dreifache Leistung wie die 1996 aufgestellten ersten Anlagen.

Nicht dass der halbstaatliche bernische Energiekonzern BKW in Sachen Windenergie untätig bleiben würde. Aber der Konzern engagiert sich lieber ausserhalb des Kantons – oder noch lieber: im Ausland. Oberhalb des Genfersees will er dereinst 5 (in Worten: f-ü-n-f) Windturbinen aufstellen. Nicht gerade ein Projekt von berauschender Dimension.

Dafür nimmt der Energiekonzern, der mehrheitlich dem Kanton Bern gehört, Geld in die Hand, um sich im Ausland zu engagieren. In Italien beteiligt er sich mit einem Betrag in unbekannter Höhe zu 33-Prozent an einer neuen Tochtergesellschaft des Windanlagenbauers Fortore. So wird die neuste Investition in Italien dem Kanton Bern zwar keinen Strom ins Netz speisen, dafür aber dereinst vermutlich gutes Geld in die Kasse der BKW spühlen. Windkraftanlagen bauen andere. Die Zürcher oder die Genfer Stadtwerke zum Beispiel. Die BKW will lieber ein neues AKW.

(Bild: Juvent SA)

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