AKW Mühleberg: Geheimnis um die Sicherheit

Alle Schweizer AKWs sollen nach der Katastrophe in Japan einer umfassenden Sicherheitsprüfung unterzogen werden. In Mühleberg wurde eine solche Prüfung erst gerade vorgenommen, doch die Akten bleiben unter Verschluss.

Alle paar Jahre müssen die Betreiber der Schweizer Atomkraftwerke in einer so genannten Periodischen Sicherheitsüberprüfung PSÜ umfassend nachweisen, dass ihr AKW alle sicherheitsrelevanten Standards erfüllt. Vor wenigen Jahren musste sich auch Mühleberg wieder einer PSÜ unterziehen. Der umfassende Sicherheitscheck von Schweizer AKWs, den Bundesrätin Doris Leuthard jetzt angeordnet hat, gibt es also für Mühleberg bereits.

Im Gegensatz zu den Berichten anderer Schweizer Atomkraftwerke hält der halbstaatliche bernische Energiekonzern BKW die PSÜ zu ihrem Kraftwerk bis heute unter Verschluss. Anwohner des AKWs erkämpften vor Gericht immerhin eine minimale Einsicht in diese Akten. Doch der allergrösste Teil der Sicherheitsüberprüfung darf die Bevölkerung nicht sehen.

Öffentlich zugänglich ist hingegen eine Analyse der Aufsichtsbehörde ENSI zu diesem Sicherheitscheck. In einer über 500-seitigen «Sicherheitstechnischen Stellungnahme» (Seite 45) bewertete die staatliche Aufsicht 2007 die Sicherheitsprüfung des AKW Betreibers. Nach der Katastrophe von Fukushima liest sich die Einschätzung der Aufsichtsbehörde zum letzten Sicherheitsnachweis von Mühleberg in einem neuen Licht. Auf Seite 45 beispielsweise listet die Atom-Aufsichtsbehörde auf, ob die verschiedenen Systeme in einem schweren Unfall funktionieren würden. Das Resultat ist ernüchternd.

Gemäss dieser sicherheitstechnischen Einstufung funktionieren 17 der 37 mechanischen Sicherheitssystemen im Fall eines schweren Erdbebens nicht. Darunter ist etwa das Kernsprühsystem, ein oberhalb des Reaktors angebrachte Ringleitung zur Kühlung im Notfall (weist notabene bereits heute Risse auf) oder das Kühlsystem des Brennelement-Beckens. In den Brennelement-Becken werden die ausgedienten, aber noch wärme absondernden Brennstäbe gelagert, bis sie eine Temperatur erreichen, um ins Zwischenlager verfrachtet zu werden. In Fukushima (gleiche Raktorentypen wie Mühleberg) sind ausgerechnet die Brennelement-Becken zurzeit teilweise ausser Kontrolle geraten.

In Mühleberg würde bei einem schweren Erdbeben aber auch folgende Systeme nicht funktionieren: Reaktor-Umwälzsystem, Abfahr- und Toruskühlsystem, Vergiftungssystem, Hilfskühlwassersystem im Reaktorgebäude, Abgassystem, Notabluftsystem, Notstromdieselanlage, Steuerluftsysteme, Reaktorwasser-Reinigungssystem, Containment-Rückpumpsystem, Inertierungssystem des Primärcontainments, Zwischenkühlwassersystem Reaktorgebäude, Hochreservoir-Einspeisung sowie die Notstromversorgung vom Wasserwerk Mühleberg, sowie ein Sicherheits-Ablassventil.

(Bild: www.bkw-fmb.ch)

Nun auch ein Riss am Druckbehälter

© Beobachter 2009/Otto Hostettler

Nicht nur der Kernmantel des AKW Mühlebergs hat Risse. Jetzt wurde auch eine «Rissanzeige» am Reaktordruckbehälter entdeckt.

Bei der Jahresrevision wurde Anfang September im AKW Mühleberg erstmals ein Riss im Reaktordruckbehälter entdeckt. «Sicherheitstechnisch unbedenklich», sagt das Nuklearinspektorat als Aufsichtsbehörde. Der halbstaatliche Berner Energiekonzern BKW als Betreibergesellschaft informiert trotzdem wortkarg. Im neusten «Monatsbericht» der BKW steht nur ein verklausulierter Satz: «Die Überprüfungen am Reaktordruckbehälter ergaben eine für die Sicherheit nicht relevante Anzeige bei einer Rundnaht.»

Mehr Information liefert die Aufsichtsbehörde: «Eine Rissanzeige an einer Rundnaht erforderte eine bruchmechanische Bewertung. Das Nuklearinspektorat hat die Analyse überprüft und sich überzeugt, dass die Anzeige sicherheitstechnisch unbedenklich ist.»

Weitergewachsen sind übrigens auch die bereits seit Jahren bekannten Risse im Kernmantel.

Den vollständigen Artikel lesen Sie im Beobachter 21/09

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