Ice Bucket Challenge: Ich bin ein Spielverderber

Wellenartig schwappte er auf Europa, flutete innerhalb weniger Tage die Schweiz – und erreichte auch mich: Der Ice Bucket Challange. Das geht so: man wird von einem Freund ‘nominiert’ und soll dann selber drei weitere Leute nominieren. Doch zuvor muss man sich einen Kübel Eiswasser über den Kopf giessen, das ganze filmen und veröffentlichen und anschliessend 10 Franken an die Organisation ASL spenden. Wer sich um das Ritual drückt, soll der US-Organisation für die Forschung der seltenen Nervenkrankheit  Amyotropher Lateralsklerose (ASL) 100 Franken spenden. Bill Gates überschüttete sich mit Eiswasser, George W. Bush tat es, Lady Gaga ebenfalls.

Der Hype breitet sich inzwischen in Deutschland genauso aus wie in der Schweiz. Vor allem selbstdarstellungsaffine Prominente sprechen auf die Mischung aus Wohltätigkeit und Gaudi-haben an. Die Namen derjenigen, die sich vor laufender Kamera einen Eiskübel über den Kopf stülpen, liesst sich wie ein Who-is-Who der Klatschpresse. Jetzt wurde auch Bundesrat Ueli Maurer nominiert. Auf Twitter reissen die Meldungen mit dem Hashtag #IceBucketChallenge nicht ab. Die US-Organisation teilte mit, zwischen dem 29. Juli und dem 23. August seien fast 63 Millionen Dollar eingegangen. Und der Spendenzufluss reisst nicht ab. Im Vorjahr waren es in der gleichen Zeit gerade mal 2.1 Millionen.

Letzte Woche nominierte mich ein alter Freund aus den USA: Dale Hostetler. Ich lernte ihn durch Zufall kennen als ich vor Jahren in den USA Nachfahren von ausgewanderten Schweizern suchte. Dale hat vermutlich den gleichen Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Grossvater (vielleicht noch ein paar Ur-dazu) wie ich. Oder sein Urahne Jacob Hostettler war Nachbar meines Urahnen, beide im 17. Jahrhundert mit Sicherheit wohnhaft im Weiler Winterkraut, Schwarzenburg.

Sorry Dale! In der Schweiz gibt es schon Unmengen solcher peinlicher Videos. Also erspare ich der Online-Welt eines von mir. Voilà, ich bin ein Spielverderber, ich gebe es zu. Aber Kettenbriefe und Gruppendruck stossen bei mir auf wenig Gegenliebe. Mein persönliches IceBucketChallenge verlief nun etwas anders.

Übrigens: Spenden darf man ja auch, ohne dass man es in die Welt posaunen muss. Wer der der Organisation ASL Geld überweisen will, findet hier weitere Informationen: www.asla.org