Fukushima – der Ausstieg hat längst begonnen

Nach der Mehrfach-Katastrophe von Fukushima sollten wir in der Schweiz wiedereinmal ein paar aktuelle Statistiken beachten. Zum Beispiel jene der Windenergie. Oder der Solarenergie.

Die aktuellen Statistiken der Wind- und Solarbranche gehen zurzeit in den Schlagzeilen von Fukushima unter. Doch sie haben es in sich: Seit ein paar Jahren geht bei der Windenergie – fast überall ausser in der Schweiz – buchstäblich die Post ab. Alleine in Europa wurden letztes Jahr Windräder mit einer Leistung von über 9000 Megawatt installiert. Zum Vergleich: Diese Leistung erreichen etwa 30 Atomkraftwerke in der Grösse von Mühleberg.

Im Jahr zuvor kam ebenfalls die Leistung von 30-Mühleberg-AKWs dazu (10’000 Megawatt). Alle Windräder Europas produzieren inzwischen Strom mit einer totalen Leistung von 84’000 Megawatt. Weltweit kamen 2009 total 37’000 Megawatt neue Leistung dazu. Das entspricht etwa einer Leistung von 37 AKWs in der Grösse von Gösgen. Gösgen wiederum ist etwa dreimal leistungsfähiger als Mühleberg. Der Zubau von 2009 steigerte die weltweit installierte Leistung der Windkraft auf einen Schlag um einen Drittel auf 158’000 Megawatt (The European Wind Energy Assosiation).

In den Zahlen stecken einige Überraschungen: Wer an Wind denkt, denkt an Nordeuropa. Doch am meisten neue Windräder wurden europaweit in Spanien aufgestellt. Und weil die Windräder im Meer («off-shore») zurzeit in aller Munde sind, glauben viele, Windstrom werde inzwischen zu einem guten Teil auf dem Meer produziert. Doch weit gefehlt. Beim europäischen Zubau wurde nur der allerkleinste Teil der neuen Windräder ins Meer gestellt. Die neuen «Off-Shore»-Windparks kommen gerademal auf eine Leistung von 800 Megawatt. In diesem Bereich ist also künftig noch einiges zu erwarten.

Eine andere Zahl gibt Angesichts der hiesigen Diskussion um erneuerbare Energien ebenfalls zu denken. Bis anhin gibt man in der Schweiz den Photovoltaikanlagen – also der Produktion von Strom durch Solaranlagen – keine grosse Zukunftschancen. In Deutschland hat der technologische Quantensprung bei gleichzeitig sinkenden Preisen für Solarzellen eine erstaunliche Entwicklung hinter sich. Letztes Jahr erreichte die Solarstrom-Produktion 12 Milliarden Kilowattstunden. Soviel prognostizierten die rot-grünen Optimisten unter Bundeskanzler Schröder für das Jahr 2050.

Erstaunlich dabei: Die Hälfte dieser Strommenge stammt aus Anlagen, die erst im Jahr zuvor installiert wurden. Alleine die letztes Jahr neu produzierte Strommenge entspricht etwa 10 Prozent des schweizerischen Jahresverbrauchs.

Und was machen wir in der Schweiz? Wir limitieren die Förderung der erneuerbaren Energien und hindern damit aktuell über 8000 Gesuchsteller daran neue Solaranlagen, Windräder, Biomasse-Kraftwerke und Kleinwasserkraftwerke zu bauen. All diese Projekte könnten jährlich 3,7 Milliarden Kilowattstunden Strom produzieren. Weit mehr als das AKW Mühleberg.

12 thoughts on “Fukushima – der Ausstieg hat längst begonnen

  1. Hi Otto
    Dein letzter Absatz hinterlässt Eindruck bei mir. Ich denke, da sollten wir ein Augenmerk drauf setzen.

    Ich selber war vor Jahren einmal in einer richtigen Zwickmühle:
    Ich baute ein Haus. Als es um die Heizung ging, klärte ich ab, um nicht einfach eine Ölheizung zu montieren. Die Offerten der verschiedenen Anbieter sahen so aus:
    -
    Im vollen Bewusstsein, dass auf lange Sicht, eine andere Heizmethode billiger, oder ökologischer gewesen wäre, konnte ich damals nicht so viel Investieren…

    Lassen wir die 8000 ihre Projekte realisieren!! Stromsparen, wird nicht mancher mögen. Sogar bei der Anti-Atom-Demo vor der BKW in Bern verganenen Dienstag waren etliche Strom-Velos auszumachen…
    Tom Tschanz

  2. Ein Windrad dreht im Jahr während 1000-2000 Stunden.
    Steht es still produziert es keine kW-Stunde Strom.
    Die erzeugte Menge Strom bei Wind hängt zudem stark von der Windgeschwindigkeit ab (also signifikant unterhalb der genannten Nennleistung).
    Ein Kohle, Gas oder Atomkraftwerk läuft während mehr als 8000 Stunden im Jahr und produziert bei 100% seiner Leistung Strom. Wenn man nun 37 GW installierte Windkraft mit 37 GW Atomkraft vergleicht ohne auf diesen Fakt hinzuweisen(Nennnleistung nicht gleicht erzeugte Strommenge), erweckt man beim Leser den leider falschen Eindruck, dass diese Windräder 37 Atomkraftwerke ersetzen würden. Mit den 37 GW Windkraft kann man etwa die gleiche Strommenge wie mit 7 AKW im Jahr erzeugen! (So kann man auch die Kosten vergleichen!)

    • Danke für die erneute kritische Rückmeldung, die ich sehr schätze. Angesichts des starken Zubaus der Windkraft, finde ich es legitim, die Leistung von Wind mit der Leistung eines AKWs zu vergleichen. Ich habe nicht die Produktion mit der Leistung verglichen, wie mir jetzt suggeriert wird. Ja, der Wind bläst nicht immer gleich. Nur hat sich die Situation innerhalb weniger Jahre dramatisch verändert. Bei einem einzigen Windrad gibt es ohne Wind tatsächlich null Strom. Logisch. Aber die Windräder verteilen sich längst von Spanien bis Norwegen. Sie haben heute nicht mehr eine Leistung von 06 MW wie die ersten Räder auf dem Mont Crosin, sondern fünf, sechs, neuerdings sogar 7 MW. Es ist einfach nicht so, dass Schwupps, nirgendwo mehr der Wind bläst. Für die Schwankungen benötigen wir Speicher und kurzzeitig verfügbare Kraftwerke. Und das sind AKWs leider nicht. Sie laufen immer. Ob es Strom benötigt oder nicht. Einst sah man das als Vorteil, heute zeigt es sich, dass es auch ein Nachteil sein kann. Deshalb kommt es ja an der Leipziger Strombörse immer wieder zu Negativ-Strompreisen. Es lohnt sich nicht, die AKWs zu drosseln, also wird Strom produziert, obschon genug vorhanden wäre. Diese Situation wird sich leider in Zukunft des öftern wiederholen. beste Grüsse o.h.

      • Sorry, es gibt nur EINEN Strom. Es ist der Gleiche beim Stromproduzent wie beim Stromkonsument, zB. 1000 Ampère. Es kann nicht mehr produziert werden als gerade konsumiert wird und es kann nicht mehr konsumiert werden als gerade produziert wird. Man kann aber zB. Windräder “leer” laufen lassen, damit sie bereit sind wenn plötzlich 1000 Ampère verlangt werden. Wenn aber mehr verlangt wird als die Produktion zB. Sonne und Wind hergeben, müssen einige Konsumenten abgeschaltet werden, oder man nimmt gespeicherte Energie aus den Stauseen (Stromproduzent). Die Stauseen werden mit mächtigen Pumpen gefüllt (Stromkonsument). Man rechne! Jürg Jehle

  3. Merci Jürg, ja es gibt nur einen Strom. Und doch wollen uns die grossen Anbieter “Ökostrom” verkaufen… Ganz Europa beneidet uns um unsere Speicherseen. Nur werden wir sie künftig für das nutzen, was wirklich Sinn macht: als Ausgleich. Bisher nutzten wir sie als Gelddruckmaschinen. Wer die Stromstatistik studiert, sieht wie es läuft: Günstierg Atomstrom aus dem europäischen Überschuss wird auf die Grimsel gepumpt. Bei grosser Nachfrage verkaufen wir den Strom wieder. Aber nicht nach Lohn-Lüterkofen oder nach Biel, sondern nach Italien oder Deutschland. Ganz übel nehmen können wir dieses System den Stromkonzernen aber nicht. Die Öffentliche Hand – und damit wir alle – als Besitzer, haben von den Stromunternehmen “Abgaben” verlangt. De facto also eine versteckte Steuer. Sprich: Der Strom wäre noch billiger. In Biel beispielsweise entscheidet der Gemeinderat jedes Jahr, wie hoch die Abgabe des lokalen EW ist, entsprechend muss dann halt der Gewinn erarbeitet werden… Man rechne :-)

    • Hi
      Hätten wir keine Speicherseen, müssten um die Mittagszeit, bei Windstille oder in der Nacht etliche Stromkonsumenten vom Netz getrennt werden, denn in Spitzenzeiten gibt es zu wenig Kraftwerke. Deutschland ist mit der Schweiz in Verhandlung betr. Stausee Nutzung, damit der deutsche Solar- und Windstrom gelagert werden kann und in Spitzenzeiten zur Verfügung steht.
      Wer sind die Strombarone und wohin fließen die Giga-Gewinne? Mit billigem Strom werden Stauseen gefüllt. In Spitzenzeiten wird teurer Strom verkauft bis die Stauseen leer sind. Mit dem Gewinn werden die Anlagen, die Löhne und die Aktionäre bezahlt. Ca. 80% der Strom Aktien sind im Besitz der Kantone. Die Gewinne sind versteckte Steuern und können bis ca 3 Steuerzehntel (!) ausmachen. Eigentlich ein Supersystem, finde ich, wer viel Strom braucht bezahlt viel Steuern. Jürg Jehle Lohn-Ammansegg

  4. Wo sind die neuen Energien?
    Wasserkraft kann 100 Prozent Strom liefern! Auch wenn wir in der Schweiz Unmengen an Wind- und Solaranlagen aufbauen, was ich begrüsse, so liefern diese im Jahresdurchschnitt nur 10-20 Prozent und zeitweise zu viel, zu wenig oder KEINEN Strom: in der Nacht, bei Flaute, im Winter usw. Dann kann der fehlende Strom NUR von anderen Kraftwerken geliefert werden, daher können die anderen Kraftwerke NICHT abgebaut werden, sie warten einfach auf den nächsten Einsatz! Zur Abhilfe werden jetzt Stromspeicher ausgebaut und neue Energien gesucht (China baut 50 AKW). Den Rest wollen wir wegsparen! So einfach ist die Wirklichkeit, auf der ganzen Welt.

  5. Zeitung vom 8.8.2013:
    “Japan erzeugte vor dem Fukushima-Desaster etwa einen Drittel seines Strombedarfs in 50 AKW. Jetzt laufen noch 2. Daher ist Japan seither fast vollständig auf den Import von Kohle und Gas angewiesen.”
    Das hat Folgen für Klimaerwämung, CO2 usw. Na und? Italien produziert sein Strom zu 80% aus Erdöl.

  6. September 2013 Bundesrätliche Energiestrategie 2050: Keine Lösung für neue Energien!

    Mit allem Geld der Welt ist nicht zu ändern, dass Wind- und Sonnenkraft bei Flaute und Dunkelheit zu wenig Strom liefern.
    Ein 10 kW Solarkraftwerk liefert pro Jahr rund 10’000 kWh also ca. 1000 Std.
    Ein 10 kW Windkraftwerk liefert pro Jahr rund 17’000 kWh also ca. 1700 Std.
    Ein 10 kW Wasserkraftwerk liefert pro Jahr 87’600 kWh also 365×24=8760 Std.
    Die Migros habe im Aug.2013 das leistungsstärkstes Solarkraftwerk ans öffentliche Stomnetz angeschlossen … Gesamtleistung 5,21 MW Peak, Jahresertrag: 4,84 GWh. Man Rechne 4840 : 5,21 = 929 Std.!
    Der Grund für die Unterschiede sind Flauten und Dunkelheit, was wir an bestehenden Anlagen ganz einfach nachrechnen können.
    Während den rund 7000 Std Flaute und Dunkelheit, kann der Strom NUR aus alten Kraftwerken kommen, daher können diese erst stillgelegt werden wenn neue Energien dann Strom liefern wenn wir ihn brauchen.

  7. Unglaubliche Naturgesetze und Widernatürliche Politik:
    Mindestens 3000 Stunden pro Jahr, liefert die NATUR Weltweit KEINE Wind- und Solarenergie. Dann kommt der Strom NUR aus der Steckdose. Trotzdem liefern Sonne und Wind manchmal zu viel Strom, so dass wir alte Kraftwerke abstellen könnten und dann lange Gesichter machen, wenn bei Dunkelheit und Flaute nur noch bestimmte Konsumenten Strom erhalten, weil produzierte und konsumierte Strommenge in jeder Sekunde genau gleich gross sind. Andere Lösungen und Gelder sind auch in Brüssel in Arbeit.!!

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