Google-Kalender: Abendessen mit «Schatzi»

© Beobachter 2008/Otto Hostettler

Ein falscher Klick im privaten Google-Kalender – und sämtliche Termine sind für die ganze Welt einsehbar: ob Arztbesuch, Familientreffen oder romantisches Rendez-vous. Viele Nutzer der Online-Agenda ahnen nicht, dass ihr Privatleben ein offenes Buch ist.

«Das war ein Schock», sagt Claudia I. (alle Namen der Redaktion bekannt). Soeben erfuhr sie vom Beobachter, mit wem sie in den nächsten Tagen verabredet ist – exakt mit Zeit und Ort. Oder dass sie mit ihrem Arzt über ihre Tochter und die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs gesprochen hat. Der Beobachter konnte ihr sogar sagen, bei welchem Arzt ihre Tochter geimpft wird.

Doch nicht nur der Beobachter hatte Zugriff auf diese persönlichen Angaben: Jedermann konnte die gesamte Online-Agenda von Claudia I. abfragen. Wie unzählige andere Internetnutzer eröffnete die Innerschweizerin bei der Online-Agenda von Google ein Konto und trug sämtliche privaten Termine ein. Nur: Als sie ihr Konto einrichtete, kreuzte sie fälschlicherweise die Option an, die den privaten Kalender öffentlich einsehbar macht.

Ganz offensichtlich wird diese Option von vielen Nutzern versehentlich gewählt – obschon Google darauf hinweist, dass der Kalender so künftig sogar in Google-Suchresultaten erscheinen wird. Diese Funktion ist eigentlich für jene gedacht, die ihre Veranstaltungstermine veröffentlichen wollen, etwa für Vereine. Doch eine Stichprobe zeigt: Wer in der Suchmaske des Kalenders beispielsweise «Arzttermin» eingibt und auf «Search public calendars» klickt, erhält Zugang zu Dutzenden persönlicher Agenden.

Rafael D., der immer dienstags den Englischunterricht besucht, neulich seinem «Schatzi» ein Abendessen kochte und am 21. November im Restaurant Ochsen mit Vertretern der Firma X essen geht, fällt aus allen Wolken, als er vom Beobachter auf seine öffentlich zugänglichen Daten aufmerksam gemacht wird: «Das wusste ich nicht, wie kann ich das ändern?»

Verbergen lässt sich der Kalender mit wenigen Klicks (siehe untenstehende Box «So bleibt Ihr Google-Kalender privat»). Beat F. jedenfalls hat seine Online-Agenda sofort gesperrt, als er erfahren musste, dass auch andere sehen können, wie er sich im Hinblick auf die Vorbereitung seines Armee-Wiederholungskurses mit seinem Kollegen D. R. über die «Schattenbuchhaltung» unterhalten hatte.

So bleibt Ihr Google-Kalender privat:
«My calendars» – «Settings» – den entsprechenden Kalender auswählen – Reiter «Share this calendar» – Kreuz bei «Make this calendar public» entfernen.

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