Walliser Gefängnisse: Aus Prinzip psychisch krank

Wer im Walliser Gefängnis krank wird, hat Pech gehabt. Er wird zwar medizinisch versorgt, auf der Abrechnung steht dann: «nichtärztliche ambulante Behandlung in der Psychiatrie.» Auch wenn der Patient nur ein Grippenmedikament schlucken musste. Kassen und Inhaftierte zahlen mehr als nötig, und der Kanton verdient daran.

Wenn ein Häftling im Wallis eine Grippe hat, gilt er automatisch als psychisch krank – zumindest in den Akten. Hintergrund: Der gefängnismedizinische Dienst gehörte jahrzehntelang zu den kantonalen psychiatrischen Diensten Unterwallis. Das hat ab­surde Folgen: Die Krankenkassen müssen fiktive psychiatrische Leistungen zahlen, Häftlinge mit hoher Franchise haben unnö­tig hohe Krankheitskosten, und der Kanton profitiert, weil die Leistungen zu teuer vergütet werden.

Dem «Beobachter» liegen diverse Fälle vor, die das System der unkorrekten Rech­nungen belegen. So kostete die Behandlung eines Häftlings, der unter Aufsicht ein Arthrosemedikament schlucken musste, monatlich 1000 statt 36 Franken. Bei einem anderen Häftling, der ebenfalls lediglich ein Medikament einnehmen musste, kamen in einem Jahr rund 100 angebliche psychiatrische Leistungen zusammen.

Die Krankenkassen sehen nicht, ob es sich bei den Patienten um Inhaftierte handelt, und zahlen die horrenden Rechnungen. Wie viele Häftlinge betroffen sind, ist unbe­kannt. Staatsrätin Esther Waeber-Kalbermatten weist darauf hin, dass die medizinische Betreuung von Inhaftierten in­zwischen neu organisiert sei. Das ändert allerdings nichts daran, dass weiter abgerechnet wie bisher, wie aktuelle Krankenkassen-Abrechnungen eines Inhaftierten zeigen.

Die fragwürdige Abrechnungspraxis hat für kranke Häftlinge noch ganz andere Folgen: Aus den Einträgen bei den Krankenkassen könnten Dritte auf psychische Krankheiten schliessen. Bereits bei einem Versicherungswechsel könnte dies für Betroffene nachteilige Folgen haben.

Den vollständigen Artikel finden Sie im Beobachter 8/2014.

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