Schorle, die Zuckerbombe

Foto 7Die Apfelschorle neulich schmeckte gut. Die Äpfel auf der Etikette sind knackig, Wasser spritzt darüber. Dazu ein nettes Schweizer Kreuz. Und gross der Schriftzug „Schorle“, keck dazu die Beschreibung: „60% Apfelsaft“. Tönt super, aber die Etikette dieses Getränks ist nur die halbe Wahrheit.

Die 0,5-Liter-Getränkeflasche enthält 34 Gramm Zucker, also mehr als die Hälfte des von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlenen Tagesdosis! Auf der Etikette wird dieses Verhältnis kleingerechnet. In der Nährwertkennzeichnung ist in der Rubrik Zucker nur 17 Gramm angegeben. Kein Wunder: Dieser Wert bezieht sich nur auf die halbe Flasche. Soviel ist angeblich „eine Portion“.

Nach dem gleichen Prinzip wird das Verhältnis des Anteils am täglichen Zuckerbedarf schön gerechnet. Die harmlos klingenden „19 Prozent“ entsprechen ebenfalls nur einer halben Flasche Saft. Weil aber jedermann statt einer halben eine ganze Flasche trinkt, wären nach dieser Rechnung bereits 38 Prozent des täglichen Zuckerbedarfs gedeckt. Tatsächlich sind es aber über 50 Prozent. Die Hersteller (Minute Maid gehört zur Coca-Cola Company) orientieren sich nicht am Tagesbedarf, wie ihn die WHO definiert. Sondern an einem fast doppelt so hohem Wert, wie ihn die Nahrungsmittelindustrie propagiert.

Würde der mächtige Getränkehersteller die konsumentenfreundliche Ampelkennzeichnung benutzen, würde der eine oder andere wohl auf die Schorle verzichten. Für den Bereich Zucker bekäme die Schorle einen saftigen roten Punkt. Fast so saftig wie die Äpfel auf der Etikette.

Mehr zur irreführenden Nährwertkennung der Industrie im Beobachter

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