Verdingt, versorgt, vergessen

Lange genug gewartet: Betroffene früherer Zwangsmassnahmen werden ungeduldig. Die offizielle Schweiz lässt sich Zeit, sich der eigenen Geschichte zu stellen.

Zwei Jahre sind vergangen, seit Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf an einem bewegenden Anlass im Frauengefängnis Hindelbank administrativ Versorgte empfing. Die Frauen waren ohne Gerichtsverfahren ins Gefängnis gesteckt worden, bloss weil den Ämtern ihr Lebensstil oder jener ihrer Eltern nicht passte.

Seit der Feier ist es still geworden. Bei weiteren Betroffenen fürsorgerischer Zwangs­massnahmen hat sich die offizielle Schweiz nicht entschuldigt – weder bei den Kindern, die verdingt oder ins Waisenhaus gebracht wurden, obwohl sie keine Waisen waren, noch bei den Frauen, die man gegen ihren Willen oder ohne ihr Wissen sterilisierte. In Bern heisst es lediglich, das Bundesamt für Justiz bereite einen Anlass für Verdingkinder vor. Ein konkretes Datum ist nicht in Sicht.

Nun verlieren die Betroffenen die Geduld. Die Vereine der administrativ Versorgten, Fremdplatzierten, Netzwerk-Verdingt und eine Gruppe Zwangssterilisierter wenden sich in einem Aufruf an den Bundesrat und die Konferenz der Kantonsregierungen. Sie fordern, dass sich der Bund endlich offiziell bei den Betroffenen entschuldigt.

Brief-KDK-120903

Zum vollständigen Beobachter-Artikel (Beobachter 19/2012)

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